Wer Blut nimmt, muss Blut geben, muss Blut nehmen...- oder sich versöhnen.
Wie eine Nonne aus Deutschland und eine junge Albanerin versuchen, in Nordalbanien die  Spirale der Blutrache zu stoppen

Von Tobias Löser (Text) und Ilja C: Hendel (Photos)

Zef ist tot. Er starb an einem Montagnachmittag, gegen 14.30 Uhr, in Shkodra, Nordalbanien, dreihundert Meter vom Haus seiner Familie entfernt. Vor einem kleinen Gemüseladen feuerte Katarina die ersten drei Kugeln auf den jungen Mann ab. Als sie nicht traf, nahm Lina ihrer jüngeren Schwester die Waffe aus der Hand und schoss Zef siebenmal in die Brust. Die Nachbarn sagen, es sei eine Hinrichtung gewesen. Nach der Tat gingen die Frauen, 16 und 23 Jahre alt, nach Hause. Am selben Tag wurden sie verhaftet und nach Tirana ins Frauengefängnis gebracht. Lina nahm das jüngste ihrer drei Kinder mit. Sie stillt es noch.

Zef hatte den Frauen nie etwas getan. Er hatte nur das Pech, dass er aus der Sippe eines Mörders stammte. Sein Onkel hat zwei Menschen umgebracht – den Vater von Lina und Katarina und dessen Bruder. Sieben Jahre ist das her, Zef war damals zehn Jahre alt. Sein Onkel wurde zwar verurteilt, doch für die Familien der beiden Opfer hatte der Spruch des Gerichts keine Bedeutung. Sie schworen, die Toten zu rächen, Blut mit Blut zu sühnen.

Nichts ungewöhnliches in Shkodra, der nördlichsten Stadt des Landes, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Montenegro entfernt. Im Stadtzentrum mahnt ein Plakat zur freiwilligen Waffenabgabe – mit wenig Erfolg. Als ein Schuss die nachmittägliche Trägheit stört, schaut kaum jemand auf. Was ist schon ein Schuss? Der neue Polizeichef ist schon wieder abgetreten, kaum dass er zwei Monate im Amt war. Er hatte angekündigt, härter durchzugreifen. ...

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Ilja C. Hendel
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